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01.02.2015
Von: ah

Der kleine Grabstein auf der Liliengruft


Sopies Grabstein von 1877

Grabsteine auf dem Familienbegräbnis

OPHERDICKE. Wer auf dem Friedhof hinter der St. Stephanus-Kirche den denkmalgeschützten Grabbereich der Familie von Lilien-Opherdicke besucht, findet dort auch ein Kindergrab. Die Beschriftung ist kaum lesbar. "Sophie von Fürstenberg" und das Jahr 1877 sind noch zu entziffern. Was macht ein Kind mit Namen "von Fürstenberg" auf dem Opherdicker Friedhof?

Alte Akten des Amts Aplerbeck aus dem Geburts- und Sterberegister enthüllen die kurze Geschichte unserer Sophie von Fürstenberg. Wir versuchen uns an einer Nacherzählung.

Zu Beginn des Jahres 1877 stirbt der bisherige Herr des Hauses von Lilien-Opherdicke, Freiherr Franz Josef Michael von Lilien im Alter von 78 Jahren. Er hinterlässt seine Frau und fünf erwachsene Kinder. Neuer Hausherr von Haus Opherdicke wird sein Sohn Freiherr Franz Caspar Michael von Lilien. Im Sommer dieses Jahres erhält er Besuch von seiner Schwester Margarete mit ihrem Ehemann, Clemens von Fürstenberg-Stammheim. Margarethe ist hochschwanger. Sie wird in ihrem Zustand die angenehme Reise mit der Bahn einer durchgehenden beschwerlicheren Kutschfahrt vorgezogen haben. Seit 17 Jahren hält die Eisenbahn in Holzwickede. Margarethe hat den Bau als Kind von Haus-Opherdicke aus miterlebt. Sie war 13 Jahre alt, als der erste Zug die damals neu gebaute Strecke von Elberfeld nach Soest befuhr. Als das Bahnhofsgebäude eingeweiht wurde, war sie 18.

In Opherdicke wartet die kleine alte St. Stephanus-Kirche im Jahr 1877 schon mit großem Reparaturbedarf auf die Besucher. Die deutlich größere heutige Kirche wird erst 16 Jahre später gebaut. Die Erweiterung der alten evangelischen Kirche hingegen ist gerade vor wenigen Jahre abgeschlossen worden. Noch zeigt sich deren Kirchturm aber ohne Uhr. Das Denkmal vor der evangelischen Kirche, das an den 1877 ja noch frisch gewonnenen Krieg und die anschließende Kaiserkrönung Wilhelm I. erinnert, ist vermutlich schon errichtet. Den eisernen Zaun um das Denkmal gibt es hingegen noch nicht.

Auf Haus Opherdicke lebten im Sommer 1877 Margarethes Mutter, die damals 71jährige Auguste von Lilien geb. Vittinghoff gen. Schell, Margarethes Bruder Franz Caspar Michael, der jetzt Hausherr war, ihre ältere Schwester Franziska, die kurz nach der Hochzeit im Jahr 1863 mit ihrem Groß-Cousin Friedrich Wilhelm von Lilien-Echthausen wieder in ihr Elternhaus gezogen ist und vermutlich auch ihre beiden Brüder Hermann und Anton. Die einzigen Enkelkinder von Auguste sind Margarethes fünf Kinder, damals zwischen drei und acht Jahren alt. Möglicherweise sind alle Kinder dabei, um Auguste nach dem Tod ihres Mannes auf fröhliche Gedanken zu bringen. Margarethe könnte schon Ende Juni ihren 35 Geburtstag in ihrem Elternhaus gefeiert haben und auch den ersten Geburtstag ihres Bruders als Hausherr am 25. August und die Geburt des sechsten Enkelkindes mit ihrer Mutter erleben wollen. Das bleibt aber spekulativ.

Gesichert ist Folgendes: am Dienstag, den 31. Juli 1877 gebiert Margarete eine Tochter, die auf den Namen Sophie getauft wird. Der Hausherr Franz Caspar Michael von Lilien und Sophies Vater, Freiherr von Fürstenberg, machen sich am 3. August auf den Weg nach Aplerbeck, wo sie dem Standesbeamten die Geburt anzeigen. Wenige Tage später, in der Nacht des achten Augusts, stirbt die kleine Sophie aber schon schon im Kindbett. Über die Todesursache geben die Akten keine Auskunft. Sophie wird im Grabbereich ihrer Großeltern auf dem neuen Friedhof beerdigt. Ihr Großvater hatte diesen Bereich für die Familiengräber auf dem neuen Friedhof von 1849 anlegen lassen. Das letzte Grab auf dem Erbbegräbnis der von Lilien wird später im Jahr 1912 Sophies Tante Franziska bekommen.

Sophies Schwester Eugenie, von allen Enna genannt, war in jenem Sommer sechs Jahre alt. Enna wird 29 Jahre später einmal den ganzen Besitz der Familie mit Haus Opherdicke erben. Ihr Enkel, Wolfgang Graf Berghe von Trips wird der erste von mehreren erfolgreichen Autorennfahrern aus dem Raum Kerpen werden. Aber von all dem ahnt Enna sicher noch nichts, als im Sommer 1877 für ihre Schwester der kleine Grabstein in Opherdicke gesetzt wird.

Quellen: Die Nachweise aus den Aplerbecker Standesamtsakten hat der Unnaer Kreisarchivar Josef Börste im Dortmunder Stadtarchiv gefunden und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Bilder: Die beiden Fotografien stammen von Monika Blennemann




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