Geschichtswerkstatt





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21.12.2016
Von: AH

Herzliche Festtagsgrüße


HOLZWICKEDE. Der Historische Verein wünscht allen Menschen in Holzwickede und den weltweiten Vororten ein besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein friedliches neues Jahr 2017. Zur Einstimmung in die Weihnachtsatmosphäre drucken wir hier die kleine Weihnachtsgeschichte für unsere Leser, die wir am 10. Dezember im lebendigen Holzwickeder Adventskalender schon vorgetragen haben:

Gibt es ein Christkind?

Die 8jährige Virginia aus New York schrieb der Tageszeitung „Sun“ diesen Brief:

„Ich bin acht Jahre. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt kein Christkind.
Papa sagt, was in der „Sun“ steht, ist wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es ein Christkind?“

Chefredakteur Francis Church antwortete auf der Titelseite seines Blattes:

„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht: Sie glauben nur, was sie sehen. Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschen Geist ist klein: ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt.
Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Welt zu erfassen und zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt ein Christkind. Es gibt es so gewiss, wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein.
Wie dunkel wäre die Welt, wenn es kein Christkind gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich macht. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.
Es gibt ein Christkind. Sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, das Christkind zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme es zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht es einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn, sie zu suchen – das vermag nicht der Klügste auf der Welt.
Was Du auch siehst: Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach und nach die schönsten Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal alle Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube, Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein.
Ist das denn auch wahr, kannst Du fragen: Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Das Christkind lebt, und ewig wird es leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird es da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia!

Dein Francis P. Church“ 

Der Briefwechsel zwischen Virginia und Francis P. Church stammt aus dem Jahre 1897. Er wurde bis zur Einstellung der „Sun“ 1950 zu Weihnachten auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt.

 




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